NVIDIA-Treiber unter Linux installieren
In diesem How-to erfahren Sie, wie Sie proprietäre NVIDIA-Treiber unter Ubuntu, Debian, Fedora, RHEL, Rocky Linux, AlmaLinux und Arch Linux installieren. Außerdem wird beschrieben, wie Sie die Installation überprüfen, NVIDIA für Wayland konfigurieren und häufige Fehler beheben.
Nouveau oder proprietärer NVIDIA-Treiber?
Linux verwendet standardmäßig häufig den Open-Source-Treiber Nouveau. Dieser ist im Kernel integriert und erfordert keine zusätzliche Konfiguration. Für einfache 2D-Darstellungen ist Nouveau ausreichend.
Für folgende Funktionen benötigen Sie jedoch den proprietären NVIDIA-Treiber:
- CUDA
- Vulkan
- NVENC und NVDEC
- Hardware-Videodekodierung
- modernes Energiemanagement
- Wayland-Compositing unter GNOME 46+ und KDE Plasma 6
Bei Grafikkarten ab der GTX-900-Serie beziehungsweise der Maxwell-Generation sollten Sie den proprietären NVIDIA-Treiber verwenden.
Voraussetzungen prüfen
Ermitteln Sie zunächst das installierte NVIDIA-Grafikkartenmodell:
lspci -nn | grep -i nvidia
Prüfen Sie anschließend die verwendete Kernel-Version:
uname -r
Diese Angaben benötigen Sie, um den passenden Treiberzweig auszuwählen.
Für die meisten Grafikkarten ab der GTX-900-Serie wird der Produktionszweig 550.x empfohlen. Diese Angabe entspricht dem Stand Mitte 2025. Grafikkarten der Kepler-Generation, beispielsweise GTX 600 und GTX 700, benötigen den Legacy-Treiber 470.xx. Noch ältere Grafikkarten benötigen gegebenenfalls den Zweig 390.xx.
NVIDIA-Treiber unter Ubuntu installieren
Die folgenden Schritte gelten für Ubuntu 22.04 und Ubuntu 24.04.
1. Paketquellen aktualisieren
sudo apt update
2. Empfohlenen Treiber automatisch installieren
sudo ubuntu-drivers install
Ubuntu erkennt die installierte Grafikkarte und installiert den empfohlenen Treiber.
3. Verfügbare Treiber anzeigen
Um alle verfügbaren Treiberpakete anzuzeigen, führen Sie folgenden Befehl aus:
ubuntu-drivers list
4. Bestimmte Treiberversion installieren
Um beispielsweise die Treiberserie 550 zu installieren, verwenden Sie:
sudo apt install nvidia-driver-550
Für eine Grafikkarte der Kepler-Generation installieren Sie den Treiber 470:
sudo apt install nvidia-driver-470
5. System neu starten
sudo reboot
NVIDIA-Treiber unter Debian 12 installieren
Unter Debian müssen die Paketquellen contrib, non-free und non-free-firmware aktiviert sein.
1. Paketquellen konfigurieren
Öffnen Sie die Datei /etc/apt/sources.list.
Die entsprechende Zeile muss folgendermaßen aussehen:
deb http://deb.debian.org/debian bookworm main contrib non-free non-free-firmware
2. Paketquellen aktualisieren
sudo apt update
3. NVIDIA-Treiber und Kernel-Header installieren
sudo apt install nvidia-driver firmware-misc-nonfree linux-headers-$(uname -r)
Während der Installation wird das benötigte DKMS-Modul erstellt.
4. System neu starten
sudo reboot
NVIDIA-Treiber unter Fedora installieren
Die folgenden Schritte gelten für Fedora 39 und Fedora 40. Die NVIDIA-Treiber werden über das RPM-Fusion-Repository installiert.
Verwenden Sie nicht die .run-Datei von der NVIDIA-Website. Diese umgeht den Paketmanager und kann nach Kernel-Updates zu Problemen führen.
1. RPM Fusion aktivieren
sudo dnf install https://mirrors.rpmfusion.org/free/fedora/rpmfusion-free-release-$(rpm -E %fedora).noarch.rpm \
https://mirrors.rpmfusion.org/nonfree/fedora/rpmfusion-nonfree-release-$(rpm -E %fedora).noarch.rpm
2. NVIDIA-Treiber installieren
sudo dnf install akmod-nvidia xorg-x11-drv-nvidia-cuda
3. Erstellung des Kernelmoduls abwarten
Warten Sie nach der Installation zwei bis fünf Minuten. Der Dienst akmods erstellt das NVIDIA-Kernelmodul im Hintergrund.
Starten Sie das System nicht zu früh neu. Andernfalls kann das NVIDIA-Modul beim nächsten Systemstart fehlen.
4. System neu starten
sudo reboot
Für Grafikkarten der Kepler-Generation verwenden Sie über RPM Fusion das Paket akmod-nvidia-470xx.
NVIDIA-Treiber unter RHEL 9, Rocky Linux 9 und AlmaLinux 9 installieren
1. RPM Fusion aktivieren
sudo dnf install https://mirrors.rpmfusion.org/free/el/rpmfusion-free-release-9.noarch.rpm \
https://mirrors.rpmfusion.org/nonfree/el/rpmfusion-nonfree-release-9.noarch.rpm
2. NVIDIA-Treiber installieren
sudo dnf install akmod-nvidia
3. System neu starten
Warten Sie vor dem Neustart, bis das Kernelmodul erstellt wurde.
sudo reboot
NVIDIA-Treiber unter Arch Linux installieren
Arch Linux stellt NVIDIA-Pakete direkt über das Repository extra bereit.
1. NVIDIA-Treiber installieren
Für aktuelle Grafikkarten installieren Sie folgende Pakete:
sudo pacman -S nvidia nvidia-utils lib32-nvidia-utils
Für ältere Kepler-Grafikkarten verwenden Sie das Paket nvidia-470xx-dkms aus dem AUR.
2. DKMS-Variante für alternative Kernel installieren
Wenn Sie einen benutzerdefinierten Kernel oder einen LTS-Kernel wie linux-lts verwenden, installieren Sie die DKMS-Variante:
sudo pacman -S nvidia-dkms nvidia-utils lib32-nvidia-utils
Das Kernelmodul wird dadurch bei Kernel-Aktualisierungen automatisch neu erstellt.
3. Initramfs neu erstellen
sudo mkinitcpio -P
4. System neu starten
sudo reboot
Installation überprüfen
Prüfen Sie nach dem Neustart, ob der proprietäre NVIDIA-Treiber geladen wurde.
1. Treiberinformationen anzeigen
nvidia-smi
Die Ausgabe sollte unter anderem folgende Informationen enthalten:
- Name der Grafikkarte
- installierte Treiberversion
- unterstützte CUDA-Version
Wird der Befehl nicht gefunden oder erscheint eine Fehlermeldung, wurde das NVIDIA-Modul möglicherweise nicht geladen.
2. Geladene NVIDIA-Module prüfen
lsmod | grep nvidia
In der Ausgabe sollten folgende Module erscheinen:
nvidia
nvidia_modeset
nvidia_drm
nvidia_uvm
3. Wayland-Sitzung prüfen
echo $XDG_SESSION_TYPE
Bei einer aktiven Wayland-Sitzung gibt der Befehl wayland zurück.
NVIDIA unter Wayland konfigurieren
Die Wayland-Unterstützung wurde seit NVIDIA-Treiber 495 und Kernel 6.2 deutlich verbessert. Ab Treiber 550 und Kernel 6.6+ funktionieren GNOME und KDE Plasma laut den bereitgestellten Informationen unter Wayland zuverlässig.
DRM-Kernel-Modesetting prüfen
Für Wayland muss der Parameter nvidia-drm.modeset=1 aktiviert sein. Die meisten Distributionspakete übernehmen diese Einstellung automatisch.
Prüfen Sie den aktuellen Wert:
cat /sys/module/nvidia_drm/parameters/modeset
Die Ausgabe sollte folgendermaßen lauten:
Y
Kernelparameter unter Arch Linux oder bei manueller Installation setzen
Öffnen Sie die Datei /etc/default/grub und ergänzen Sie innerhalb von GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT folgenden Parameter:
nvidia-drm.modeset=1
Erstellen Sie anschließend die GRUB-Konfiguration neu:
sudo grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg
Ab Treiberversion 555 kann zusätzlich die explizite Synchronisierung aktiviert werden:
nvidia-drm.explicit_sync=1
Dieser Parameter kann Tearing-Probleme in einigen Wayland-Compositors beheben.
Hybridgrafik auf Notebooks verwalten
Bei Notebooks mit NVIDIA Optimus verwenden Sie abhängig von der Distribution folgende Werkzeuge:
- Ubuntu und Debian:
nvidia-prime - Fedora:
switcheroo-control - Arch Linux:
optimus-manageraus dem AUR
Fehlerbehebung
Schwarzer Bildschirm nach dem Neustart
Wechseln Sie mit folgender Tastenkombination in eine TTY-Konsole:
Strg + Alt + F3
Prüfen Sie anschließend das Systemprotokoll auf NVIDIA-Fehler:
sudo journalctl -b -p err | grep -i nvidia
info
Unter Fedora entsteht der Fehler häufig, wenn das System neu gestartet wurde, bevor akmods das Kernelmodul fertiggestellt hat.
:::
Erstellen Sie das Modul erneut:
sudo akmods --force
Starten Sie das System anschließend neu:
sudo reboot
NVIDIA-Modul wird nach einem Kernel-Update nicht geladen
DKMS-Pakete sollten das Kernelmodul nach Kernel-Aktualisierungen automatisch neu erstellen.
Unter Debian oder Ubuntu können Sie das NVIDIA-DKMS-Paket erneut konfigurieren:
sudo dpkg-reconfigure nvidia-dkms-550
Unter Arch Linux führen Sie folgenden Befehl aus:
sudo dkms autoinstall
Secure Boot blockiert das NVIDIA-Modul
Unter Secure Boot muss das NVIDIA-Kernelmodul mit einem Schlüssel signiert sein, der in der UEFI-MOK-Datenbank hinterlegt ist.
Ubuntu führt die MOK-Registrierung während der Installation automatisch durch.
Bei anderen Distributionen müssen Sie entweder einen Machine Owner Key mit mokutil registrieren oder Secure Boot in den UEFI-Firmware-Einstellungen deaktivieren.
Nouveau verursacht einen Treiberkonflikt
Nouveau ist nicht mit dem proprietären NVIDIA-Treiber kompatibel. Die Installationspakete der Distributionen setzen Nouveau normalerweise automatisch auf die Blacklist.
Prüfen Sie, ob eine entsprechende Konfiguration vorhanden ist:
cat /etc/modprobe.d/blacklist-nouveau.conf
Falls die Datei fehlt, erstellen Sie sie:
echo -e 'blacklist nouveau\noptions nouveau modeset=0' | sudo tee /etc/modprobe.d/blacklist-nouveau.conf
Erstellen Sie anschließend das Initramfs neu.
Unter Debian und Ubuntu:
sudo update-initramfs -u
Unter Fedora und RHEL:
sudo dracut --force
Starten Sie das System danach neu:
sudo reboot
Häufig gestellte Fragen
Sollten Sie das .run-Installationsprogramm von NVIDIA verwenden?
Verwenden Sie auf den beschriebenen Distributionen vorzugsweise die Pakete der jeweiligen Distribution.
Die .run-Datei von der NVIDIA-Website umgeht den Paketmanager, ist nicht mit DKMS kompatibel und kann nach Kernel-Updates zu Fehlern führen.
Funktioniert der proprietäre NVIDIA-Treiber unter Wayland?
Laut den bereitgestellten Informationen funktioniert der Treiber ab Version 550 zusammen mit Kernel 6.6+ unter GNOME und KDE Plasma zuverlässig.
Der Parameter nvidia-drm.modeset=1 muss aktiviert sein. Ab Treiberversion 555 steht zusätzlich die explizite Synchronisierung zur Verfügung.
Welchen Treiber benötigen Grafikkarten der GTX-600- und GTX-700-Serie?
Grafikkarten dieser Kepler-Generation benötigen den Legacy-Zweig 470.xx.
Verwenden Sie abhängig von der Distribution folgende Pakete:
- Ubuntu:
nvidia-driver-470 - Fedora:
akmod-nvidia-470xx - Arch Linux:
nvidia-470xx-dkmsaus dem AUR
Was können Sie tun, wenn das System nach der Installation nicht mehr startet?
Wechseln Sie mit Strg + Alt + F3 in eine TTY-Konsole oder verwenden Sie die Wiederherstellungskonsole.
Prüfen Sie anschließend die Systemfehler:
sudo journalctl -b -p err
Unter Fedora können Sie das NVIDIA-Kernelmodul erneut erstellen:
sudo akmods --force
Starten Sie das System danach neu. Falls der Fehler weiterhin besteht, entfernen Sie das Treiberpaket und installieren Sie es erneut.